Sandra Kühne

Text – Werke – CV

Kartografie, 2010 

Atlanten und geographische Karten üben auf Sandra Kühne eine ungebremste Faszination aus. In Brocken- und Schulhäusern spürt sie diese auf und sind fortan vor ihrem scharfen Skalpell nicht mehr sicher. Die grafischen Darstellungen, die stets Medium und Speicher raumzeitlicher Informationen sind, werden nach bestimmten Kriterien ausgeblendet, das System kartographischer Zeichen aufgehoben. Die visuelle Wahrnehmung weicht einer mentalen Erinnerung der Vorstellung von Welt. Den ikarischen Blick auf eine Ebene fallen zu lassen, die Kugeloberfläche auf Ebenen zu übertragen, die Erkenntnis der Welt sichtbar, messbar und beherrschbar zu machen, ist im Zeitalter der Vernunft wichtiges Ziel: Das Unsichtbare einer existierenden und gleichwohl abwesenden Welt auf der Karte zur projizierten Welt, zu einer "imago mundi", einem Weltbild werden zu lassen. Eine Welt, die gespiegelt in einem geographischen Koordinatensystem, den Globus zur massstäblichen Fläche werden lässt, mündet bei Kühne in ein Weltkugelskelett, eine nur in Gitternetzen aus Längen- und Breitengraden vorliegenden Welt. Der konkrete Kartenraum wird zum abstrakten Vorstellungsraum.

Das Zweidimensionale ins Dreidimensionale zu führen, ist wiederkehrende Strategie der Künstlerin, wie in der vierteiligen Papierschnitt-Installation Kartografie, 2010 aus Schullandkarten, die geschnitten und hintereinander gestaffelt den Raum füllen und eine neue Kühnesche Erkenntnis von Welt entstehen lassen.

Nadia Veronese